
Ein Kontrollraum oder eine Leitstelle fällt selten von einem Tag auf den anderen aus – der Handlungsbedarf entsteht schleichend. Ersatzteile werden schwerer verfügbar, einzelne Monitore zeigen Alterungserscheinungen, Softwarestände laufen aus oder zusätzliche Quellen lassen sich nur noch mit hohem Aufwand integrieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Verfügbarkeit, IT- und OT-Sicherheit, Ergonomie und Dokumentation.
Wer einen Kontrollraum modernisieren oder eine Leitstelle modernisieren will, muss deshalb weiterdenken als bis zum Austausch einzelner Geräte. Entscheidend ist, wie der Betrieb während des Umbaus sicher weitergeführt wird, welche vorhandenen Komponenten erhalten bleiben können und wie Videowall, KVM, Arbeitsplätze, Raum und Service künftig zusammenspielen.
controlrooms begleitet diesen Prozess als Gesamtanbieter: von der Bestandsanalyse und Planung über das Umbau- und Migrationskonzept bis zur Ausweichwarte, Integration, Umschaltung und laufenden Wartung. Je nach Bestand und Kritikalität kann die Umsetzung im laufenden Betrieb, über eine temporäre Ersatzleitstelle oder durch den parallelen Aufbau einer neuen Leitstelle erfolgen.
Wann sollte ein Kontrollraum oder eine Leitstelle modernisiert werden?
Das Alter der Anlage allein ist nicht das einzige Kriterium. Wichtiger ist, ob der Kontrollraum seine Aufgabe heute und in den kommenden Jahren zuverlässig erfüllt. Typische Warnsignale sind:
- zentrale Komponenten erreichen End of Life oder End of Service;
- Ersatzteile, Updates oder qualifizierter Support sind nicht mehr gesichert;
- Störungen und ungeplante Serviceeinsätze nehmen zu;
- zusätzliche Systeme, Quellen oder Arbeitsplätze lassen sich kaum integrieren;
- Bildqualität, Darstellungsfläche oder Reaktionszeiten reichen nicht mehr aus;
- KVM-Zugriffe und Benutzerrechte sind unübersichtlich oder technisch überholt;
- Redundanzen fehlen oder wurden nie unter realistischen Bedingungen getestet;
- Kabelwege, Kühlung und Wartungszugänge erschweren den sicheren Service;
- Licht, Akustik, Sichtlinien oder Möbel belasten die Operatoren im 24/7-Betrieb;
- Dokumentation und tatsächlicher Anlagenstand stimmen nicht mehr überein.
Spätestens wenn mehrere dieser Punkte zusammentreffen, sollte nicht mehr nur auf den nächsten Defekt reagiert werden. Eine strukturierte Bestandsanalyse schafft die Grundlage für einen planbaren Investitions- und Migrationsweg.
Warum der Austausch einzelner Komponenten oft nicht genügt
Eine Videowall, ein KVM-System oder ein Leitstellenpult funktioniert nie für sich allein. Die Bildinhalte bestimmen Betrachtungsabstände und Auflösung. Die Anzahl der Quellen beeinflusst die KVM- und Controller-Architektur. Neue Hardware verändert Wärmeentwicklung, Stromversorgung, Netzwerk und Servicezugänge. Ein anderes Bedienkonzept kann wiederum Auswirkungen auf Möbel, Monitoranordnung und Arbeitsabläufe haben.
Deshalb betrachtet eine belastbare Kontrollraumplanung den gesamten Betriebsprozess. Dazu gehören Operator-Aufgaben, Alarmwege, Schichtbetrieb, Sichtlinien, Ergonomie, Großbildtechnik, KVM, Steuerung, Beleuchtung, Akustik, Klima, Kabelmanagement, IT-/OT-Schnittstellen, Redundanz und Wartung.
Ein isolierter Gerätetausch kann kurzfristig ein Problem lösen, aber gleichzeitig neue Schnittstellenrisiken schaffen. Eine dokumentierte Zielarchitektur verhindert, dass die modernisierte Leitstelle schon nach wenigen Jahren wieder an technische oder räumliche Grenzen stößt.
Kontrollraum modernisieren: drei Wege zum Ziel
Nicht jede Modernisierung braucht denselben Ablauf. In der Praxis kommen drei Grundszenarien infrage.
1. Umbau im bestehenden Kontrollraum
Einzelne Arbeiten werden in abgestimmten Phasen ausgeführt. Systeme können vorab vorbereitet, getestet und anschließend in definierten Zeitfenstern umgeschaltet werden. Dieses Vorgehen eignet sich, wenn der Bestand genügend Redundanz bietet und Montagearbeiten den Betrieb nicht unvertretbar beeinträchtigen.
2. Temporäre Ausweichwarte oder Ersatzleitstelle
Kann der bestehende Raum während des Umbaus nicht sicher genutzt werden, wird eine funktionsfähige Übergangsumgebung eingerichtet. Die Operatoren arbeiten vorübergehend in der Ausweichwarte, während der eigentliche Kontrollraum technisch und räumlich erneuert wird.
3. Neue Leitstelle parallel errichten
Wenn passende Flächen vorhanden sind, kann eine neue Leitstelle parallel zur bestehenden vollständig aufgebaut werden. Technik, Arbeitsplätze und Bedienabläufe werden integriert und getestet, während die alte Leitstelle weiterarbeitet. Erst nach Freigabe erfolgt die kontrollierte Migration.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Kritikalität, Raum, Anlagenzustand, Redundanz, Projektzeit und zulässigem Risiko ab. Eine pauschale Zusage „ohne jede Unterbrechung“ wäre unseriös. Mit einem passenden Übergangskonzept ist eine Modernisierung jedoch häufig ohne Betriebsunterbrechung oder mit eng begrenzten, lange im Voraus geplanten Umschaltfenstern möglich.
Ausweichwarte und Ersatzleitstelle sind mehr als ein Provisorium
Eine Ausweichwarte erfüllt nur dann ihren Zweck, wenn die Operatoren dort ihre entscheidenden Aufgaben zuverlässig ausführen können. Ein paar zusätzliche Monitore in einem Nebenraum reichen dafür nicht aus.
controlrooms plant die Übergangsumgebung als Bestandteil des gesamten Umbaukonzepts. Festgelegt werden unter anderem:
- notwendige Operator-Arbeitsplätze und Funktionen;
- Visualisierung der priorisierten Lage- und Prozessbilder;
- Zugriff auf Rechner und Quellen über das KVM-System;
- Benutzerrechte, Signalwege und Kommunikationsmittel;
- Netzwerk, Stromversorgung und erforderliche Redundanzen;
- ergonomische Mindestanforderungen für die vorgesehene Nutzungsdauer;
- Testfälle, Freigabekriterien und dokumentierte Rückfallmöglichkeiten.
Vor dem Umzug der Operatoren wird die Ersatzleitstelle unter möglichst realistischen Bedingungen geprüft. Erst wenn die vereinbarten Kernfunktionen nachweislich verfügbar sind, beginnt der Umbau im Hauptraum. Auch die Rückkehr in den modernisierten Kontrollraum erfolgt nicht spontan, sondern nach Funktionsprüfung, Abnahme, Schulung und freigegebenem Umschaltplan.
So geht controlrooms bei einer Modernisierung vor
1. Bestand aufnehmen und Betreiber verstehen
Zu Beginn werden Räume, Systeme, Quellen, Arbeitsplätze, Schnittstellen und Dokumentation erfasst. Gespräche mit Operatoren, IT, OT, Instandhaltung und Betriebsverantwortlichen zeigen, welche Abläufe funktionieren und wo im Alltag Risiken oder unnötige Belastungen entstehen.
2. Risiken und Abhängigkeiten bewerten
Welche Komponenten sind kritisch? Wo fehlen Ersatzteile? Welche Systeme hängen voneinander ab? Welche Ausfallpfade und Redundanzen existieren tatsächlich? Aus dieser Analyse entsteht eine priorisierte Risikoliste.
3. Zielbild und Varianten entwickeln
controlrooms erarbeitet ein technisches und räumliches Zielbild. Varianten zeigen, welche Komponenten weiterverwendet, schrittweise modernisiert oder vollständig ersetzt werden sollen. So werden Investitionen, Nutzen und Projektrisiken nachvollziehbar.
4. Raum, Sichtlinien und Ergonomie planen
Eine 24/7-Leitstelle muss für Menschen funktionieren. Pultgeometrie, Monitorpositionen, Blickwinkel, Laufwege, Beleuchtung, Akustik und Klima werden auf Aufgaben und Schichtbetrieb abgestimmt. Einschlägige Normen und Planungsgrundsätze, darunter die ISO-11064-Reihe, werden soweit anwendbar projektbezogen berücksichtigt. 3D-Planung und Visualisierung helfen, Entscheidungen vor der Umsetzung zu prüfen.
5. Technische Architektur festlegen
Nun werden Videowall und Großbildtechnik, Controller, KVM-System, Steuerung, Netzwerke, Schnittstellen, Berechtigungen und Redundanz als zusammenhängende Architektur geplant. Dazu gehören Kapazitätsreserven sowie sichere Wartungs- und Erweiterungswege.
6. Übergang und Migration planen
Das Migrationskonzept beschreibt jede betriebsrelevante Phase: Vorbereitungen, Parallelaufbau, Ausweichwarte, Tests, Verantwortlichkeiten, Umschaltkriterien, Zeitfenster und Rückfallplan. Damit wissen alle Beteiligten, was wann geschieht und welche Entscheidung den nächsten Schritt freigibt.
7. Integrieren, testen und umschalten
Systeme werden soweit möglich vorab konfiguriert und getestet. Danach folgen Montage, Integration, Funktionstests, Probebetrieb, Schulung und Abnahme. Die Umschaltung erfolgt erst, wenn die vereinbarten Kriterien erfüllt sind.
8. Dokumentieren und den Lebenszyklus absichern
Aktuelle Pläne, Konfigurationen, Rechte, Komponentenlisten und Serviceinformationen bilden die Grundlage für einen stabilen Betrieb. Ein abgestimmtes Wartungs- und Servicekonzept unterstützt Ersatzteilvorsorge, Updates, regelmäßige Prüfung und spätere Erweiterungen.
Welche Bereiche lassen sich modernisieren?
Eine Kontrollraum-Modernisierung kann den gesamten Raum oder gezielt definierte Bereiche umfassen:
- Videowall, Displays, Projektionsmodule und Großbildcontroller;
- KVM-Matrix oder KVM-over-IP, einschließlich Benutzer- und Rechtekonzept;
- zentrale Steuerung, beispielsweise mit Barco CTRL;
- Operator-Arbeitsplätze, Kontrollraummöbel, Monitorträger und Kabelmanagement;
- Technikracks, Signalverteilung, Netzwerk und Schnittstellen;
- Stromversorgung, Redundanz, Kühlung und Lüftung;
- Beleuchtung, Akustik, Sichtschutz und Raumgestaltung;
- Dokumentation, Wartungszugänge und Serviceprozesse.
KVM-System kontrolliert ersetzen
Beim Austausch eines bestehenden KVM-Systems ist nicht nur die Anzahl der Ein- und Ausgänge wichtig. Vor der Migration werden Rechnerquellen, Auflösungen, USB-Funktionen, Latenzanforderungen, Benutzergruppen, Rechte und kritische Bedienwege erfasst.
Die neue KVM-Architektur wird, soweit technisch möglich, parallel vorbereitet. Testarbeitsplätze prüfen Bild, Tastatur, Maus, USB-Funktionen und Zugriffsrechte. Erst danach werden Quellen und Operator-Plätze nach einem festgelegten Ablauf migriert. Für kritische Schritte bleibt eine definierte Rückfallmöglichkeit verfügbar. So wird aus einem riskanten Gerätetausch ein kontrollierter Systemwechsel.
Nicht alles muss neu sein
Eine seriöse Modernisierung beginnt nicht mit einer vollständigen Einkaufsliste. Erhaltenswerte Komponenten können weitergenutzt werden, wenn Zustand, Schnittstellen, Sicherheit, Leistung und erwartete Restlebensdauer zum Zielsystem passen.
Das kann beispielsweise Racks, Verkabelung, Rechner, Möbelteile, Displays oder Signalwege betreffen. Wichtig ist eine technische Bewertung statt einer bloßen Vermutung. Weiterverwendete Komponenten werden dokumentiert und in das künftige Service- und Lifecycle-Konzept aufgenommen. So schützt der Betreiber sinnvolle Investitionen, ohne unerkannte Altlasten in die neue Architektur zu übernehmen.
Eine neue Leitstelle parallel zum Bestand aufbauen
Der parallele Neubau bietet besonders klare Projektbedingungen. Die neue Umgebung kann vollständig eingerichtet, konfiguriert und getestet werden, während der bisherige Kontrollraum weiter in Betrieb bleibt. Operatoren lernen ihre neuen Arbeitsplätze vor der Umschaltung kennen; Abläufe und Berechtigungen lassen sich im Probebetrieb überprüfen.
Das Migrationskonzept definiert anschließend, in welcher Reihenfolge Quellen, Bedienfunktionen und Verantwortlichkeiten übertragen werden. Nach erfolgreicher Abnahme und Freigabe wechselt der Betrieb in die neue Leitstelle. Die Altanlage wird danach geordnet zurückgebaut oder – sofern technisch sinnvoll und organisatorisch vorgesehen – als definierte Rückfallebene weitergenutzt.
Auch hier gilt: Der Parallelaufbau reduziert Risiken, ersetzt aber nicht die genaue Planung von Schnittstellen und Umschaltpunkten.
Praxisbeispiel: Modernisierung bei der ASFINAG in Wien-Inzersdorf
Wie ein sicherer Übergang in der Praxis aussehen kann, zeigt die Modernisierung der zentralen ASFINAG-Videowall in Wien-Inzersdorf. Vor der Demontage der bestehenden Anlage richtete controlrooms eine funktionsfähige temporäre Videowall ein. Damit stand den Operatoren die zentrale Visualisierung auch während der Arbeiten zur Verfügung.
Die neue Videowall wurde vollständig aufgebaut und geprüft, bevor die abgestimmte Umschaltung erfolgte. Neben der Bildtechnik wurden auch Akustik, Kühlung und Lüftung, Wartungsöffnungen, Abdichtung und spätere Servicearbeiten berücksichtigt. Das Projekt zeigt: Eine Modernisierung im laufenden Betrieb beginnt nicht mit der Demontage, sondern mit einer belastbaren Übergangslösung und klaren Abnahmekriterien.
Kontrollraumlösungen aus einer Hand
Bei einer Leitstellenmodernisierung greifen viele Gewerke ineinander. Wenn Planung, Videowall, KVM, Möbel, Elektro, Klima, Netzwerk und Bauablauf getrennt betrachtet werden, entstehen Lücken oft genau an den Übergängen.
controlrooms übernimmt als Gesamtanbieter die Verantwortung für das Zusammenspiel: Bestandsanalyse, Betreiberanforderungen, Raum- und Ergonomieplanung, Umbau- und Migrationskonzept, Ausweichwarte oder Ersatzleitstelle, Videowall, KVM, Operator-Arbeitsplätze, Systemintegration, Tests, Umschaltung, Dokumentation und Service – alles aus einer Hand. In diese Planung fließt Erfahrung aus mehr als 25 Jahren Leitstellen- und Kontrollraumprojekten ein.
Für den Betreiber bedeutet das einen zentralen Ansprechpartner, einen abgestimmten Terminplan und klare Zuständigkeiten. Fachpartner und Gewerke können weiterhin eingebunden sein; ihre Leistungen werden jedoch in ein gemeinsames Zielbild und einen kontrollierten Ablauf integriert. Sprechen Sie mit uns über Ihr Modernisierungsvorhaben – unverbindlich und auf Augenhöhe.
Checkliste: Besteht in Ihrem Kontrollraum Handlungsbedarf?
Wenn Sie mehrere der folgenden Fragen mit Nein oder „unklar“ beantworten, ist eine Bestandsanalyse sinnvoll:
- Sind Ersatzteile und Herstellersupport für alle kritischen Systeme gesichert?
- Ist die tatsächliche Systemarchitektur aktuell und vollständig dokumentiert?
- Wurden Redundanzen und Rückfallwege unter realistischen Bedingungen getestet?
- Lassen sich neue Quellen und Arbeitsplätze ohne provisorische Sonderlösungen ergänzen?
- Sind KVM-Rechte und kritische Zugriffe nachvollziehbar geregelt?
- Erfüllen Sichtlinien, Möbel, Licht, Akustik und Klima die Anforderungen des Schichtbetriebs?
- Sind Wartungszugänge, Kabelwege und Kühlung für den Service geeignet?
- Gibt es einen abgestimmten Lifecycle- und Ersatzteilplan?
- Ist geklärt, wie der Betrieb während eines Umbaus weitergeführt wird?
- Existieren Zielbild, Budgetrahmen und eine realistische Reihenfolge der Maßnahmen?
Der erste Schritt: eine unverbindliche Bestandsanalyse
Eine Modernisierung muss nicht mit einer Komplettsanierung beginnen. Der sinnvolle erste Schritt ist ein gemeinsames Bild vom Ist-Zustand, den betrieblichen Risiken und den realistischen Handlungsoptionen.
controlrooms prüft mit Ihnen, welche Technik erhalten bleiben kann, wo akuter Handlungsbedarf besteht und welches Übergangsszenario zu Ihrem Betrieb passt. Daraus kann ein stufenweiser Investitionsplan, ein Umbau mit Ausweichwarte oder das Konzept für eine parallel errichtete neue Leitstelle entstehen.
Unverbindliche Bestandsanalyse für Ihren Kontrollraum anfragen
Erich Strasser
controlrooms GmbH
Telefon: +43 664 8866 7817
E-Mail: erich.strasser@controlrooms.at
Besuchen Sie unseren Showroom in Wien Prater oder Wieselburg
Technik für Leitstellen, Kontrollräume und KVM-Arbeitsplätze lässt sich am besten live beurteilen. Im controlrooms Showroom zeigen wir Videowall, KVM, Bedienplätze und typische 24/7-Szenarien im realen Zusammenspiel.
Termine nach Vereinbarung. controlrooms GmbH unterstützt bei Analyse, Planung, Integration und laufendem Service.
Häufige Fragen zur Kontrollraum- und Leitstellen-Modernisierung
Wann sollte ein Kontrollraum modernisiert werden?
Eine Modernisierung ist sinnvoll, wenn kritische Komponenten das Ende ihres Lebenszyklus erreichen, Ersatzteile oder Updates fehlen, Störungen zunehmen oder neue Betriebsanforderungen nicht mehr sauber integrierbar sind. Auch unzureichende Ergonomie, fehlende Redundanz und veraltete Dokumentation sind wichtige Auslöser. Eine Bestandsanalyse zeigt, welche Maßnahmen sofort nötig sind und was später geplant umgesetzt werden kann.
Kann eine Leitstelle während der Modernisierung weiterarbeiten?
Oft ja, aber nicht pauschal unter allen Bedingungen. Je nach Bestand, Kritikalität und Redundanz erfolgt der Umbau in Phasen, über eine Ausweichwarte oder durch den parallelen Aufbau einer neuen Leitstelle. Einzelne eng begrenzte Umschaltfenster können erforderlich sein. Entscheidend sind Vorabtests, klare Freigabekriterien und ein dokumentierter Rückfallplan.
Wann wird eine Ausweichwarte oder Ersatzleitstelle benötigt?
Sie wird benötigt, wenn Montage, Staub, Lärm, Stromabschaltungen oder technische Eingriffe einen sicheren Betrieb im bestehenden Raum verhindern. Auch bei besonders kritischen Anlagen kann eine Ersatzleitstelle das Projektrisiko deutlich reduzieren. Umfang und Betriebsdauer richten sich nach den notwendigen Operator-Funktionen und dem geplanten Umbau.
Was gehört zu einer funktionsfähigen Ausweichwarte?
Dazu gehören die erforderlichen Operator-Arbeitsplätze, priorisierte Visualisierung, Zugriff auf Rechner und Quellen, KVM-Funktionen, Benutzerrechte, Kommunikation, Netzwerk und Stromversorgung. Ebenso wichtig sind dokumentierte Tests, Freigabekriterien und Rückfallmöglichkeiten. Die Übergangslösung muss die vereinbarten Kernprozesse tatsächlich unterstützen.
Kann ein bestehendes KVM-System im laufenden Betrieb ersetzt werden?
Das ist in vielen Projekten möglich, wenn Quellen, Rechte, USB-Funktionen, Auflösungen und Abhängigkeiten vorher vollständig erfasst werden. Die neue Architektur wird möglichst parallel vorbereitet und an Testarbeitsplätzen geprüft. Die eigentliche Migration erfolgt anschließend schrittweise oder in geplanten Umschaltfenstern mit definierter Rückfallmöglichkeit.
Muss die gesamte bestehende Technik ersetzt werden?
Nein. Technisch geeignete und wirtschaftlich sinnvolle Komponenten können weiterverwendet werden. Voraussetzung ist eine Prüfung von Zustand, Schnittstellen, Sicherheit, Leistung, Ersatzteilverfügbarkeit und Restlebensdauer. Weitergenutzte Komponenten werden in der Zielarchitektur und im Servicekonzept dokumentiert.
Kann eine neue Leitstelle parallel zur bestehenden aufgebaut werden?
Ja, wenn geeignete Räume und Schnittstellen vorhanden sind. Die neue Leitstelle kann eingerichtet, integriert, getestet und für Schulungen genutzt werden, während der bisherige Kontrollraum weiterarbeitet. Nach Abnahme und Freigabe werden Quellen und Bedienfunktionen nach einem kontrollierten Migrationsplan übertragen.
Was gehört zu einer Bestandsanalyse und einem Migrationskonzept?
Die Bestandsanalyse erfasst Räume, Systeme, Quellen, Arbeitsplätze, Schnittstellen, Dokumentation, Betriebsabläufe und Risiken. Das Migrationskonzept legt Übergangsbetrieb, Ausweichlösung, technische Reihenfolge, Verantwortlichkeiten, Testfälle, Umschaltkriterien, Zeitfenster und Rückfallplan fest.
Warum ist ein Gesamtanbieter bei einer Modernisierung sinnvoll?
Videowall, KVM, Möbel, Raum, Netzwerk, Elektro, Klima und Betriebsabläufe beeinflussen einander. Ein Gesamtanbieter koordiniert diese Abhängigkeiten in einem gemeinsamen Zielbild. Der Betreiber erhält einen zentralen Ansprechpartner, klare Verantwortlichkeiten und einen abgestimmten Ablauf von der Analyse bis zum Service.
Was passiert nach Umschaltung und Inbetriebnahme?
Nach der Umschaltung folgen dokumentierte Abnahme, Einweisung beziehungsweise Schulung, Aktualisierung der Pläne und die Übergabe der Serviceinformationen. Wartung, Ersatzteilstrategie und regelmäßige Prüfungen sichern den Betrieb über den Lebenszyklus. Erkenntnisse aus den ersten Betriebswochen können in eine abgestimmte Optimierungsphase einfließen.